13. März 2026

Verbauung gegen den Willen der Bürger: Rot-pinker Schulterschluss im Bezirk

Bei der Bezirksvertretungssitzung am 11. März 2026 wurde einmal mehr deutlich, wie wenig die Stimmen der Bevölkerung zählen, wenn im Wiener Rathaus bereits entschieden wurde, was passieren soll.

Zahlreiche Bürger aus dem betroffenen Gebiet rund um Weichseltalweg, Am Kanal und Pretschgasse waren anwesend - und machten ihrem Ärger über das geplante Bauprojekt Luft.

Der Grund für die Empörung: Trotz massiver Kritik aus der Bevölkerung treiben SPÖ und NEOS das Projekt unbeirrt voran. Für viele Anrainer wirkt der rot-pinke Schulterschluss wie ein politischer Automatismus - durchgesetzt gegen den erklärten Willen vieler Simmeringer.

Verteidigt wurde das Projekt unter anderem vom Vorsitzenden des Bauausschusses Stefan Tögl (SPÖ) sowie vom Bezirksvorsteher Thomas Steinhart (SPÖ). Für Kritiker ist die Sache klar: Im Bezirk wird nicht entschieden, was die Menschen vor Ort wollen - sondern umgesetzt, was im Rathaus politisch vorgegeben wird. Ganz im Sinne der Stadtregierung rund um Bürgermeister Michael Ludwig.

Am Ende wurde der Antrag zum Flächenwidmungs- und Bebauungsplan erwartungsgemäß mit den Stimmen von SPÖ und NEOS beschlossen - gegen die Stimmen der Opposition, allen voran der FPÖ.

Für zusätzlichen Unmut sorgte ein weiterer Vorgang:

Die freie Mandatarin Ruzica Damnjanovic erklärte sich als befangen, weil sie selbst im betroffenen Gebiet wohnt. Für viele Beobachter eine fragwürdige Argumentation. Schließlich würde diese Logik bedeuten, dass praktisch jeder Simmeringer Bezirksrat bei Bezirksthemen befangen wäre. Dass der Bezirksvorsteher dies so gelten ließ, wird von uns als politisch problematisch bezeichnet.

Massive Kritik an Projekt mit 750 Wohnungen

Klubobmann Patrick Horn kritisierte den Planentwurf 8427 scharf. Es gehe hier nicht einfach um ein Bauprojekt, sondern um den Charakter eines ganzen Grätzls:

  • um Lebensqualität
  • um Verkehrssicherheit
  • und um den verantwortungsvollen Umgang mit Grünraum.

 Geplant sind rund 750 Wohneinheiten in einem Gebiet, das bislang überwiegend durch Einfamilienhäuser und niedrigere Wohnbauten geprägt ist. Eine solche Verdichtung würde das gesamte Viertel grundlegend verändern - städtebaulich, verkehrstechnisch und sozial.

Besonders kritisch sieht Horn, dass ein ursprünglich vorgesehener großer zusammenhängender Grünbereich in späteren Planungen verkleinert und teilweise verbaut wurde. Viele Bürger hätten sich bei den Beteiligungsverfahren auf andere Voraussetzungen verlassen.

Verkehrskollaps befürchtet

Ein weiteres großes Problem sei die Verkehrssituation.Mehrere hundert neue Wohnungen bedeuten zwangsläufig auch:

  • hunderte zusätzliche Autos
  • mehr Bring- und Holverkehr
  • steigenden Parkplatzdruck
  • zusätzliche Belastung für bestehende Straßen.

Bereits heute sind Straßen wie Pretschgasse oder Anton-Steinböck-Gasse schmale Wohnstraßen, die kaum zusätzlichen Verkehr aufnehmen können. Zwar wird von politischer Seite versprochen, dass die Hauptzufahrt über Weichseltalweg und Am Kanal erfolgen soll und entlang der Anton-Steinböck-Gasse eine Ein- und Ausfahrtsperre geplant ist - doch viele Anrainer glauben nicht, dass dies das Problem tatsächlich lösen wird.

Hinzu kommt, dass ein bisher genutzter - wenn auch nicht offiziell genehmigter - Parkplatz vor Ort verschwinden soll.

Besonders irritierend wirkt auf viele Bürger die Aussage aus der SPÖ Simmering, man werde sich die Verkehrssituation erst nach Fertigstellung der Bauarbeiten ansehen und dann gegebenenfalls über eine Verbreiterung der Straße oder zusätzliche Parkstreifen entscheiden.

Mit anderen Worten: Erst bauen – und später schauen, welche Probleme entstehen.

Bauhöhen verändern das Ortsbild

Auch die geplanten Gebäudehöhen sorgen für Kritik. Entlang der Anton-Steinböck-Gasse sind Gebäude der Bauklasse III bis IV mit Höhen von bis zu 16 bzw. 17 Metern vorgesehen - teilweise mit Flachdächern und möglichen Dachausbauten.

Für viele Anrainer bedeutet das konkret:

  •  stärkere Verschattung
  • mehr Einblick in bestehende Wohnbereiche
  • eine deutliche Veränderung des bisherigen Ortsbildes.

Tausende Unterschriften ignoriert?

Dass die Bevölkerung diese Entwicklung kritisch sieht, ist gut dokumentiert. Gemeinsam mit dem ehemaligen FPÖ-Bezirksvorsteher Paul Stadler wurde eine Petition gegen die Verbauung gestartet. Mehr als 2.000 Menschen unterschrieben innerhalb kurzer Zeit. Auch der Erlebnishof vor Ort sammelte Unterschriften für den Erhalt des Gebiets – rund 1.300 Unterstützer.

Für die Kritiker ergibt sich daraus ein klares Bild:

Tausende Bürger sprechen sich gegen die Verbauung aus - doch politisch wird das Projekt trotzdem durchgezogen. Damit stellt sich für viele Bürger eine grundsätzliche Frage:
Welche Bedeutung hat Bürgerbeteiligung noch, wenn ihre Ergebnisse am Ende keine Rolle spielen.

Kritik auch am Verlust von Naturflächen

Auch Bezirksrat Gerald Eisenbarth (FPÖ), stellvertretender Vorsitzender des Bauausschusses, kritisierte den Plan deutlich. Das betroffene Gebiet sei in großen Teilen naturbelassen und beherberge wertvolle Flora und Fauna. Mit dem geplanten Projekt würde ein großer Teil dieser Fläche versiegelt.

Zwar sei in der Mitte des Gebiets ein Park vorgesehen - doch dieser wirke wie ein am Reißbrett geplanter Grünstreifen, während bestehende natürliche Flächen verschwinden.

Auch der Erlebnishof, der früher dort angesiedelt war, habe bis heute keinen Ersatzstandort erhalten. Stattdessen entsteht laut Kritikern ein neues dicht bebautes Wohnquartier mit massivem Eingriff in das bestehende Stadtbild.

Forderung nach Überarbeitung des Projekts

Die FPÖ betont zwar, dass zusätzlicher Wohnraum grundsätzlich notwendig sei - gerade auch leistbares Wohnen. Doch bei einem Projekt dieser Größenordnung müsse eine Balance zwischen Wohnbau, Grünraum und Verkehrskonzept bestehen. Genau diese Balance sehen die Kritiker im aktuellen Plan nicht.

Daher fordert die FPÖ eine grundlegende Überarbeitung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans. Ein weiteres Ballungszentrum in dieser Dimension sei für Simmering nicht akzeptabel.

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